„Wenn Mutti früh zur Arbeit geht…“ – Die zwiespältige Freiheit von Frauen in der DDR

Das heutige Bild vom Leben als Frau in der DDR ist stark davon geprägt, dass es eine enorm hohe Beschäftigungsrate unter Frauen gab: Ende der 1980er Jahre waren 91% der Frauen in der Deutschen Demokratischen Republik berufstätig. Wohlwollend betrachtet kann diese Tatsache als Beweis für die vorherrschende Geschlechtergerechtigkeit ausgelegt werden, denn Berufstätigkeit galt als Recht der Frau, das ihr materielle Unabhängigkeit verschaffte. Währenddessen hieß es im Gesetz der BRD noch bis 1976: „Die Frau führt den Haushalt in eigener Verantwortung. Sie ist berechtigt, erwerbstätig zu sein, soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist.“ (§ 1356 BGB Absatz 1) 

Dass sich das emanzipierte Selbstbild der Frauen stark über ihre Identifikation mit der Vollzeit-Berufstätigkeit bildete, war jedoch nicht zuletzt Ergebnis einer ausgeprägten Propaganda in Fernsehen, Literatur und am Arbeitsplatz. Die Vereinbarkeit von Mutterrolle und Arbeitsplatz wurde zu einer Selbstverständlichkeit stilisiert, deren gesetzliche Rahmenbedingungen längst geschaffen worden seien. Tatsächlich schuf die DDR mit der Zeit eine fortschrittliche Sozialgesetzgebung in Bezug auf Ehe, Scheidungsrechte und später auch Abtreibungen. Trotzdem waren auch in der DDR Geschlechterrollen fest in das gesellschaftliche Denken zementiert.

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Ein kurzer Herbst der Utopie: Die gescheiterte Revolution von 1989

Wahlkampf: Vereinigte Linke und Marxistische Partei Die Nelken. Ohne Unterstützung aus dem Westen. ///
Bundesarchiv, Bild 183-1990-0311-013 / Weisflog, Rainer / CC-BY-SA 3.0

Der Medienrummel um den 30. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer fiel erwartungsgemäß überschwänglich aus. Eindrucksvolle Bilder von Deutschen, die sich voller Freudentränen in den Armen lagen, einprägsame Erinnerungen und natürlich allerlei Anekdoten aus Ost und West. Menscheln musste es, denn der Mauerfall und die Wiedervereinigung bilden bis heute den Dreh- und Angelpunkt der nationalen Erzählung des neuen deutschen Selbstbewusstseins. Die friedliche Revolution in der ehemaligen DDR hat schließlich nicht nur bewiesen, dass der Sozialismus nicht funktioniert, sondern dass Ossis am Ende eben doch schon auch Deutsche sind.

Gerade diese neuen Deutschen bleiben aber die Problemkinder der Republik. Der Präsident appellierte, man möge nun endlich auch die Mauern des Hasses und der Entfremdung niederreißen, denn entfremdet hatte man sich in den letzten 30 Jahren. Der Aufstieg der „Alternative für Deutschland“ gerade im Osten, sowie diverse Umfragen, die den Ostdeutschen eine wachsende Distanz zu jenem Staat bescheinigen, dem sie damals doch freiwillig und voller Zuversicht beigetreten waren, machen die ostdeutsche Wiederdeutschwerdung zu einer eher zweifelhaften Erfolgsgeschichte.

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Ausgabe 1/2020: 30 Jahre Ende der DDR

Liebe Leser*innen,

nachdem wir uns schon bei Rosa & Karl im Januar mit der DDR, ihrem Ende und den Nachwirkungen bis heute beschäftigt haben, dreht sich auch diese Ausgabe der aj um das Thema. Ihr findet im Folgenden Artikel, die sich aus verschiedenen Perspektiven mit dem Scheitern der Revolution in der DDR, den Erfahrungen in den 90er Jahren in Brandenburg und der Frage beschäftigen, was “ostdeutsch” heute eigentlich heißt. Außerdem schildert das Archiv der Arbeiterjugendbewegung, wie nach 1990 die Falken in den neuen Bundesländern wiedergegründet wurden. Schließlich könnt ihr am Ende nicht nur testen, wie ostdeutsch ihr eigentlich seid, sondern bekommt auch einen Rezeptvorschlag aus der Redaktion.

Neben dem Schwerpunkt gibt es neues aus dem Verband: Die AG “Lernen und Gedenken gegen rechten Terror”, die seit der Bundeskonferenz 2019 besteht, stellt sich und ihre Arbeit vor.

Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen

Eure aj-Redaktion

Hier findet ihr nach und nach alle Artikel der Ausgabe zum online lesen!

Antwort auf die Stellungnahme des LV Thüringen zur Durchführung von Zeltlagern im Sommer 2020

Der hier vorliegende Text nimmt Bezug auf den Diskussionsaufschlag des LV Thüringen vom 15. Mai 2020. Die Genossen Karl Müller-Bahlke (BZ Braunschweig, Bundes-F-Ring), David Pape (KV Bremen, Referent für Kinder- Jugend und Bildungspolitik im Bundesvorstand) und Kolja Schumann (LV Berlin) vertreten im Text ihre eigenen Positionen, nicht die des Bundesverbandes.

Mit diesem Text wollen wir unsere Position zu dem vom LV Thüringen verfassten “Einspruch” gegen die Stellungnahme des Bundesverbands darstellen, in der sich für die Durchführung von Zeltlagern ausgesprochen wurde. Wir, das sind Personen, die sich auf Bundesebene in den letzten Wochen besonders dafür eingesetzt haben, dass Zeltlager stattfinden

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Einspruch gegen die Stellungnahme des Bundesverbandes zu den Zeltlagern

Am 15. Mai 2020 veröffentlichte der Bundesverband der SJD – Die Falken eine Pressemitteilung unter dem Titel „Raus aus der Isolation! Sommerzeltlager 2020 ermöglichen!„. Daraufhin veröffentlichte der Landesverband Thüringen am 25. Mai 2020 eine kritische Auseinandersetzung auf ihrer Facebook-Seite, die wir nun hier dokumentieren.

Mit Erstaunen haben wir den Aufruf des Bundesverbandes unter der Überschrift „Raus aus der Isolation! Sommerzeltlager 2020 ermöglichen!“ wahrgenommen. Darin geht es v.a. darum, dass angesichts der Erlaubnis kommerzieller Reiseangebote auch Zeltlager in der Jugendverbandsarbeit ermöglicht werden sollen.

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Call for Papers: Falkenarbeit in Corona-Zeiten

Gerade sitzen wir alle sehr viel zuhause – das Gegenteil von unserem üblichen Alltag bei den Falken. Trotzdem gibt es einige Möglichkeiten, die Gliederungen jetzt schon nutzen, um politische Arbeit weiterzumachen und den Austausch miteinander beibehalten zu können. Das geht von Onlinevorträgen über virtuelle Kneipenquizzes zu digitalen Montagsmalerrunden. Wie übertragt ihr in eurer Gliederung eure Arbeit ins Netz? Was habt ihr für Probleme dabei und was klappt gut? 

Wir von der aj planen dazu eine – natürlich digitale – Artikelreihe auf unserem Blog andere-jugend.de. Wenn ihr Ideen habt und einen Artikel schreiben wollt, schreibt uns auf Facebook oder wendet euch an Sascha unter sascha.doering@sjd-die-falken.de.

Redaktionsschluss ist der 17.05.

Call for Papers: 30 Jahre Ende der Geschichte?

Die nächste Ausgabe der aj beschäftigt sich mit der DDR unter dem Titel
„30 Jahre Ende der Geschichte?“

2020 jährt sich zum 30. Mal die Auflösung der DDR und die formale Eingliederung in die Bundesrepublik. Welche Relevanz hat das Ende des sozialistischen Staates im heutigen Bundesgebiet? Wie wird die „Wiedervereinigung“ gesellschaftlich rezipiert? Wie schaut der Osten auf den Westen und wie der Westen auf den Osten, oder gibt’s diesen Unterschied eigentlich gar nicht mehr? War die DDR überhaupt sozialistisch? Welche politischen Strömungen und Gruppierungen gab es?

Wenn du zu dem Thema etwas schreiben oder z.B. ein Interview führen möchtest, melde dich gerne bei der Redaktion: sascha.doering@sjd-die-falken.de. Besonders freuen wir uns auch über Beiträge im Nachgang zum Rosa&Karl dieses Jahr, das sich thematisch in einem ähnlichen Bereich bewegte. Wie immer gibt es auch die Möglichkeit, Repliken zu Beiträgen älterer Ausgaben und Rezensionen zu Büchern, Musik oder Filmen einzureichen.

Leser*innenbrief zu Maria Neuhauss „Frauen und Politik – ein Spannungsverhältnis“

In der Ausgabe 2/2018 beleuchtete Maria Neuhauss unter dem Titel „Frauen und Politik – ein Spannungsverhältnis“ die Frage, warum Mädchen und Frauen im Verband immer noch unterrepräsentiert sind, wenn es um das „Politik machen“ geht, also das Schwingen großer Reden auf Konferenzen oder dem selbstbewussten Positionieren im politischen Geschehen. Als Gründe erkannt werden die „männlichen, aber nicht immer menschlichen Formen des Politikvollzugs“, die weibliche Sozialisation, die immer noch vor allem auf Harmonie und Dienstleistung für andere ausgerichtet ist, sowie der systematische Ausschluss von Frauen aus der Politik seit der Antike: über die Gemeinschaft als Ganze hatten nur Männer zu sprechen, Frauen durften höchstens ihre Partikularinteressen vertreten. Dem stellt Maria u.a. ein Programm entgegen, dass Mädchen und Frauen dabei helfen soll, „fertige politische Subjekte“ zu werden.

Delegierte der Bundesfrauenkonferenz 2019 in Wolfsburg
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In eigener Sache

1990 hörte die DDR durch ihren Beitritt zur Bundesrepublik auf zu existieren. Unser jährliches Seminar Rosa & Karl (10.-12.01.2020 in unserer Jugendbildungsstätte Kurt Löwenstein) hat das dieses Mal zum Oberthema und auch wir wollen hier den Schwerpunkt der kommenden Ausgabe setzen. Wir wollen uns damit zu beschäftigen, was die DDR eigentlich war, wie unser Verhältnis zum sogenannten “real existierenden Sozialismus” ist und welche Spuren die Prozesse nach 1990 bis heute hinterlassen haben: Wie war eigentlich die Rolle der Frauen? Wie erlebten Vertragsarbeiter*innen aus Staaten wie Mosambik oder Vietnam die DDR und die Zeit nach der Wende? Was war eigentlich die Treuhand? Was wollte eigentlich die linke Opposition in der DDR? Warum sollte uns das heute noch interessieren?

Wir freuen uns über alle Beiträge zu diesen oder weiteren Themen. Außerdem könnt ihr auch Interviews führen, spannende Bücher, Filme und Musik rezensieren oder Diskussionsbeiträge zu früheren AJ-Artikeln schreiben.

Artikelideen- und Vorschläge schickt ihr wie immer an unsere Redaktionsadresse: sascha.doering@sjd-die-falken.de. Bei Fragen sprecht uns gerne an.

Der Redaktionsschluss ist der 15. Februar 2020.